Missstände melden ist keine Selbstverständlichkeit

Missstände zu melden, deren Zeuge man gewesen ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder hört man von Fällen, in denen Umstehende tatenlos zugeschaut oder gar weggesehen haben.

Wie inakzeptabel wir ein solches Verhalten auch finden, Tatsache ist, dass die Angst, selber in eine Sache mit hineingezogen zu werden, einen häufig davon abhält, Unregelmäßigkeiten oder Missstände zu melden.

Es ist ein Naturgesetz: Der Reflex eines Zeugen ist, aus Selbstschutz zu schweigen.

In einer Organisation stehen Zeuge und Täter (Kollegen oder Manager) in einer Beziehung zueinander und besteht für den Zeugen immer das Risiko von Repressalien. Es ist nicht einfach, einen Zeugen zu bewegen, sich zu äußern.

Es gibt Ausnahmen, beispielsweise die Frauen, die bei Enron, Worldcom bzw. dem FBI arbeiteten, aber sie sind dünn gesät. Für die Bereitschaft von Zeugen, sich zu offenbaren, ist ein niederschwelliges System, das auf einer realistischen Sicht auf menschliches Verhalten basiert, eine Mindestanforderung.