Ein letztes Rettungsmittel

Keiner mag Denunzianten. Vor allem in Europa, wo die Erinnerung an autoritäre Regimes noch sehr wach ist. Manchmal scheint es, als gebe es eine „europäische Allergie“ gegen Meldehotlines. Die Angst vor möglichen falschen Anschuldigungen und der Schaffung einer Denunziationskultur ist weit verbreitet.

Zugleich sehen wir nicht nur ein wachsendes Bedürfnis nach Transparenz, Organisationen erkennen auch immer klarer, welche wesentliche Rolle Arbeitnehmer haben, wenn es darum geht, Unregelmäßigkeiten und Missstände aufzudecken. Daher möchten Europäer es doch ermöglichen, dass aufrichtige Arbeitnehmer Vorfälle außerhalb des üblichen Berichterstattungsrahmens melden können. Sie möchten jedoch, dass es die Ausnahme ist und nur dann geschieht, wenn es nicht anders geht. Kurz gesagt: Europäer möchten eine offene Kultur fördern, ohne naiv zu sein.

Wir schlagen folgende leicht anzuwendende Faustregel vor: Benutzen Sie ein Meldesystem ausschließlich als letztes Rettungsmittel; nutzen Sie immer erst die üblichen Möglichkeiten der Berichterstattung. Nur wenn dies unmöglich oder unausführbar ist (Kriterium: wenn die Sache anders nicht gemeldet würde), sollte das Meldesystem verwendet werden. Wir sind davon überzeugt, dass keine Denunziationskultur geschaffen wird, wenn das Meldesystem nur für die schwerwiegendsten und sensibelsten Angelegenheiten benutzt wird. Dies kann durch die Kombination folgender Elemente erreicht werden:

  • Richtiger Entwurf des Meldesystems
  • Richtige Herangehensweise
  • Richtige Kultur
  • Richtige Verfahren